Daunen-gütesiegel

Wie aussagekräftig sind Gütesiegel für Federn und Daunen?

19.10.2017

Als Verbraucher möchten Sie wissen, aus welcher Quelle Daunen stammen – und unter welchen Umständen sie produziert wurden. Auf dem Markt gibt es diverse Gütesiegel und Labels für Daunen – doch nicht alle sind wirklich aussagekräftig.

Entscheidend für die Qualität eines Gütesiegels ist das Rückverfolgbarkeitssystem, mit dem es arbeitet. Ein gutes Rückverfolgbarkeitssystem muss Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette beinhalten. Im besten Fall starten die Kontrollen am Elterntierbetrieb und enden beim fertigen Produkt. Gute Systeme zeichnen sich durch möglichst viele, alljährliche Kontrollen in Betrieben, die zum größten Teil unangekündigt sind, aus. Die Haltung von lebend gerupften oder gestopften Tieren sollte auf einer zertifizierten Farm streng verboten sein (auch wenn nicht alle Tiere zertifiziert sind). Strenge Kontrollen in Schlachthäusern und Daunenwaschanlagen müssen sicherstellen, dass es zu keiner Vermischung von zertifizierter Daune mit Daunen von gestopften oder gerupften Tieren kommt. 

Im Folgenden stellen wir Ihnen die gängigen Gütesiegel und Labels für Daunen vor – und erläutern,  welche Standards sie gewährleisten und wie sie aus Tierschutzsicht zu bewerten sind.

Übrigens: Wie Sie beim Kauf von Winterjacken und Bettdecken tierfreundliche Produkte erkennen und welche Daunen-Alternativen es gibt, zeigen wir Ihnen in unserer Einkaufshilfe Daunen.

RDS

Der Responsible Down Standard, RDS, ist einer der besten Standards, die es derzeit im Bereich des Tierschutzes und der Rückverfolgbarkeit von Daunen gibt. Er schließt Lebendrupf und Stopfmast komplett aus. Die Prüfungen des RDS finden jährlich und unangekündigt statt. Jede Daunen-Charge wird zertifiziert und jeder Betrieb, aus dem RDS-geprüfte Daunen stammen, auditiert. Elternbetriebe (das sind Betriebe, in denen die Tiere leben, die für die Nachzucht verwendet werden) können auf Wunsch von Firmen durch ein optionales Modul abgedeckt werden. Zudem finden auch bei den Waschanlagen, Lagern und Verarbeitern Kontrollen statt, um eine Rückverfolgbarkeit bis zum Endprodukt garantieren zu können.  Der RDS wird derzeit von mehr als 140 Marken aus der Outdoor-, Mode- und Sportbranche umgesetzt. Elternbetriebe (das sind Betriebe, in denen die Tiere leben, die für die Nachzucht verwendet werden) werden stichprobenmäßig kontrolliert.

Downpass 2017

Die neue Version des Downpass schließt Lebendrupf und nun auch Stopfmast explizit aus. Das ist eine erfreuliche Verbesserung gegenüber den bisherigen  Richtlinien. Neben weiteren neuen Maßnahmen müssen auch die Mastbetriebe zwingend kontrolliert werden. Trotz dieser Verbesserung sind die angedachten Kontrollen (nur alle zwei Jahre und fehlende Strenge bei der Stichprobenauswahl) unserer Meinung nach unzureichend. Um diese Schwächen zu beheben wurde im Mai 2017 eine überarbeitete Version veröffentlicht. Mit der geplanten Änderung einiger wesentlichen Punkte wird der Downpass 2017 mit dem RDS und TDS grossteils vergleichbar sein. Dann wird er Daunen aus Lebendrupf und der Stopfmastproduktion mit grösstmöglicher Sicherheit ausschliessen können. Als einer der wichtigsten Akteure in der Schweizer Bettwarenindustrie hat der Verband der Schweizer Bettwarenfabriken (VSB) schriftlich bestätigt, dass sich sowohl der Verband als auch die einzelnen Mitglieder Downpass 2017 zertifizieren lassen werden.

Downpass 2016

Beim Downpass 2016 handelt es sich um einen Standard, der hauptsächlich auf der Rückverfolgbarkeit von Dokumenten und nicht auf landwirtschaftlichen Kontrollen beruht. Im Hauptmodul finden Kontrollen auf dem Schlachthof, nicht aber auf dem Bauernhof statt. Falls Firmen zusätzlich Farmkontrollen durchführen lassen möchten, müssen sie weitere Module implementieren lassen. Für den Konsumenten ist es leider nicht transparent, welche Module von einem Unternehmen implementiert wurden.

EDFA

Der EDFA-Kodex besagt zwar, dass sich seine Mitglieder von Lebendrupf distanzieren, allerdings sind weder der Mauserrupf (der genauso grausam wie das Lebendrupfen sein kann) noch die Zwangsfütterung der Tiere verboten. Aus unserer Sicht handelt es sich bei diesem Kodex derzeit um keinen Tierschutzstandard.  Die Rückverfolgbarkeit der Daunen wird ausschließlich über Dokumente, aber nicht über Kontrollen in Betrieben gewährleistet. Informationen über die Bedingungen in den Mastbetrieben und in den Elternbetrieben fehlen beim EDFA-Kodex leider komplett. 

Traumpass

Der Traumpass-Standard garantiert eine hohe Qualität der Daunen – allerdings sagt er nichts über die Herkunft aus! Traumpass überprüft zwar, dass die Daunen nicht von lebenden Tieren stammen – doch heißt das nicht automatisch, dass die Gänse und Enten im Laufe ihres Lebens von Lebendrupf und Zwangsernährung verschont geblieben sind. Der Traumpass prüft zudem nur Dokumente, Besuche im Betrieb finden nicht statt. 

IDFL

Es ist nicht immer klar, wie stark die Audits des International Down and Feather Laboratory sind. IDFL macht das, was der Kunde will. Informationen über die Strenge der Audits sind nicht öffentlich zugänglich. In der Regel handelt es bei den Audits nur um die Prüfung von Dokumenten. Stopfmast ist meist nicht ausgeschlossen.  Audits werden oft durchgeführt um zu belegen, dass der EDFA-Codex  (Kodex der European Down and Feather Association) eingehalten wird. Verlangen Kunden, dass Mastbetriebe im Audit inkludiert werden, wird meist nur eine kleine Stichprobe von Betrieben in der Nähe des Schlachthauses besucht.

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